Haushaltswaschmaschine – typische Bauform

Normales Schwingungsverhalten einer Waschmaschine

Waschmaschinen mit rotierender Trommel sind konstruktionsbedingt Schwingungsquellen. Im Schleuderprogramm rotiert die Trommel mit 800 bis 1600 Umdrehungen pro Minute – bei ungleichmäßiger Beladung entstehen dabei erhebliche Fliehkräfte. Moderne Geräte verwenden Stoßdämpfer, Federn und Gegengewichte, um diese Kräfte vom Gehäuse zu entkoppeln.

Ein gewisser Schwingungspegel ist daher immer vorhanden. Als auffällig gelten Vibrationen, die sich im Verlauf mehrerer Zyklen verschlimmern, neue Geräuschcharaktere entwickeln oder die Maschine erkennbar horizontal oder vertikal bewegen.

Häufige Ursachen für erhöhte Schwingungen

1. Unwucht der Wäschebeladung

Die häufigste Ursache für starke Vibrationen beim Schleudern ist eine ungleichmäßig verteilte Wäschemenge. Schwere Teile wie Jeans oder Handtücher können sich auf einer Seite der Trommel ansammeln und eine dynamische Unwucht erzeugen, deren Amplitude mit dem Quadrat der Schleuderdrehzahl wächst.

Moderne Waschautomaten erkennen diese Unwucht über Sensoren und reduzieren automatisch die Schleuderdrehzahl oder starten einen Umverteilungszyklus. Ältere Geräte ohne diese Funktion können dabei erheblich vibrieren.

2. Verschlissene oder gebrochene Stoßdämpfer

Waschmaschinen verfügen in der Regel über zwei bis vier hydraulische oder Reibungs-Stoßdämpfer, die die Trommelbewegung dämpfen. Mit zunehmendem Alter verlieren diese Dämpfer ihre Wirkung. Charakteristisches Merkmal: Die Maschine schlägt beim Schleudern gegen das Gehäuse oder "wandert" über den Boden.

Die visuelle Inspektion der Stoßdämpfer ist bei geöffneter Maschine möglich. Ölaustritt, Risse im Gehäuse oder offensichtliche mechanische Verformungen weisen auf einen Defekt hin. Der Austausch ist bei den meisten Geräten ein Standardeingriff.

3. Ermüdete Aufhängungsfedern

Neben Stoßdämpfern halten Zugfedern die Trommelgruppe in ihrer Sollposition. Bei gebrochenen oder stark ermüdeten Federn hängt die Trommel tiefer als vorgesehen und kann beim Schleudern am Gehäuse anstoßen. Das entstehende Schlaggrengeräusch ist charakteristisch.

4. Lagerdefekt der Trommelwelle

Die Trommelwelle ist in Wälzlagern geführt. Wenn diese Lager durch eindringendes Wasser, Fettmangel oder mechanische Überbelastung geschädigt sind, entstehen zunächst Laufgeräusche (Schleif-, Heul- oder Rasseltöne) und später erhöhte Schwingungen. Der Lagerschaden äußert sich oft als frequenzproportionales Rauschen, das mit der Schleuderdrehzahl zunimmt.

Technischer Hinweis: Die charakteristischen Überrollfrequenzen eines Wälzlagers hängen von Geometrie und Drehzahl ab. Bei bekannter Trommellagerkonstruktion lassen sich diese Frequenzen berechnen und mit Frequenzspektren der Körperschallmessung vergleichen.

5. Aufstellungsfehler

Eine nicht waagerecht aufgestellte Maschine oder ein unebener Boden führen dazu, dass das Gerät nicht auf allen vier Füßen gleichmäßig aufsteht. Dadurch wird die Schwingung nicht gleichmäßig abgeleitet, sondern verstärkt. Das Nivellieren der Stellfüße mit einer Wasserwaage und das Festziehen der Kontermuttern beseitigt diesen Fehler vollständig.

Diagnosevorgehen

Ein strukturiertes Diagnoseverfahren folgt diesem Ablauf:

  1. Beobachten: In welchem Programm tritt die Vibration auf? Nur beim Schleudern oder auch beim Waschen?
  2. Abhören: Ist das Geräusch kontinuierlich (Lager) oder stoßweise (Unwucht, Schlag)?
  3. Aufstellung prüfen: Alle vier Füße gleichmäßig? Boden eben?
  4. Stoßdämpfer kontrollieren: Visuelle Inspektion nach Öffnung der Maschine.
  5. Testwaschgang mit minimaler Beladung: Tritt die Vibration weiterhin auf?

Wenn das Problem nach Aufstellungskorrektur und ohne Beladung weiterhin auftritt, ist ein mechanischer Defekt wahrscheinlich, der eine Fachinspektion erfordert.

Übertragung auf den Untergrund

Starke Schleuderschwingungen übertragen sich über die Gerätefüße als Körperschall in den Bodenbelag. In Mietwohnungen, besonders mit alten Holzböden oder über Kellern, kann dies zu spürbaren Vibrationen in Nachbarräumen führen. Schwingungsdämpfungsmatten aus Gummi oder Sylomer-Material unter den Gerätefüßen reduzieren die Übertragung messbar.

Weiterführende Quellen