Betriebsbedingte Geräusche
Kühlschränke erzeugen im normalen Betrieb verschiedene Geräusche. Das Erkennen dieser normalen Betriebsgeräusche ist die Grundlage für die Diagnose ungewöhnlicher Schwingungen.
- Brummen des Kompressors: Gleichmäßiges, tiefes Brummen beim Anlaufen und während des Kompressorbetriebs. Typische Grundfrequenz 50 Hz und deren Obertöne.
- Gurren oder Fließen: Kältemittelströmung im Rohrsystem, besonders beim An- und Abschalten des Kompressors. Normaler Betriebszustand.
- Knacken: Thermisch bedingte Ausdehnungsgeräusche des Gehäuses beim Abkühlen. Häufig besonders laut bei neuen Geräten.
- Ventilatorgeräusch: Bei No-Frost-Geräten gleichmäßiges, rauschähnliches Ventilatorgeräusch. Unterbrochen bei Abtauzyklen.
Ursachen für erhöhte Vibrationsemission
Kompressoraufhängung
Der Kompressor ist durch Gummipuffer vom Gehäuse entkoppelt. Diese Puffer altern durch Temperaturwechsel und verlieren ihre Dämpfungseigenschaften. Verhärtete oder gerissene Puffer leiten Kompressorschwingungen direkt in das Gehäuse und den Bodenbelag. Das resultierende Geräusch ist ein intensives Brummen mit deutlichen Niedrigfrequenzanteilen.
Die Eigenfrequenz der Kompressoraufhängung liegt typischerweise bei 3–10 Hz, deutlich unterhalb der Betriebsfrequenz. Die Aufhängung wirkt daher als Tiefpassfilter und isoliert die Kompressorschwingungen vom Gehäuse. Verhärtete Puffer erhöhen die Steifigkeit und verschieben die Eigenfrequenz in den störenden Bereich.
Ventilatorlager
No-Frost-Kühlschränke verwenden einen internen Ventilator zur Luftzirkulation. Dessen Lager sind typischerweise nach 5–10 Jahren Betriebszeit verschlissen. Symptome: schleifendes oder summendes Geräusch, das sich bei geöffneter Gefrierzone verändert oder verstärkt. Ein direkter Zusammenhang zwischen Geräuschentwicklung und Laufzustand des Ventilators bestätigt die Diagnose.
Rohrschwingungen
Kältemittelleitungen im Gehäuse können durch Montagefehler oder Materialermüdung Kontakt zu Gehäuseteilen oder Inneneinbauten erhalten. Bei Kompressorbetrieb überträgt sich die Rohrpulsation dann als Körperschall auf das Gehäuse. Charakteristisch ist ein Rasseln oder Klappern, das nur bei laufendem Kompressor auftritt.
Die Inspektion erfolgt durch vorsichtiges Abtasten der Rohrleitungen bei laufendem Gerät (Vorsicht: Leitungen können heiß sein). Berührungspunkte mit dem Gehäuse lassen sich mit dünnem Schaumstoffstreifen entkoppeln.
Aufstellung und Unterbau
Kühlschränke auf unebenen Böden oder mit ungleichmäßig eingestellten Stellfüßen können resonanzbedingt stärker vibrieren. Besonders holzige oder hohle Böden können als Resonanzkörper wirken und die Schallabstrahlung um 10–15 dB verstärken. Das korrekte Einstellen der Stellfüße so, dass das Gerät leicht nach hinten geneigt steht (empfohlen durch viele Hersteller zur Türselbstschließung), ist erste Maßnahme.
Auflagernde Gegenstände
Gegenstände auf dem Gerät oder dahinter können durch Kompressorvibrationen in Resonanz gebracht werden. Das entstehende Klappern hört bei Entfernung des Gegenstandes sofort auf. Im Inneren des Kühlschranks kann loses Lagergut (Flaschen, Dosen) gleichartige Geräusche erzeugen.
Systematische Diagnose
Das folgende Verfahren erlaubt eine schrittweise Eingrenzung der Geräuschquelle:
- Alle Gegenstände auf und neben dem Gerät entfernen, Inhalt des Kühlschranks sichern.
- Gerät auf ebenem, harten Untergrund stellen oder Stellfüße neu ausrichten.
- Geräusch auf Kompressorbetrieb hin prüfen: Tritt es nur bei laufendem Kompressor auf?
- Bei No-Frost: Ventilatorgeräusch durch Öffnen der Gefrierzone und Ablauschen prüfen.
- Gerät wenige Zentimeter von der Wand abrücken: Ändert sich das Geräusch?
- Kompressorpuffer visuell inspizieren (Zugänglichkeit herstellen je nach Bauform).
Grenzwerte und Normen
Für Haushalts-Kältegeräte gilt in Deutschland die EN 60335-2-24 (Sicherheitsanforderungen) sowie produktspezifisch die Richtlinien des Europäischen Komitees für Normung (CEN). Geräuschangaben in Dezibel (A-bewertet) finden sich auf dem Energieetikettierungsschild. Übliche Werte liegen zwischen 35 und 45 dB(A), gemessen nach EN 60704-2-14 in einem reflexionsarmen Messraum.